Sleep-Work-Balance – Zu viel Arbeit und zu wenig Schlaf

//Sleep-Work-Balance – Zu viel Arbeit und zu wenig Schlaf

Schlafmangel und -störungen sind ein weit verbreitetes Problem unter Arbeitnehmern. Jährlich gehen Deutschland durch die Folgen von Schlafstörungen 60 Milliarden Euro verloren. 3,7 Prozent der Mitarbeiter melden sich auf Grund von Schlafproblemen krank, was jährlich zu 200.000 verlorenen Arbeitstagen führt. Laut DAK Gesundheitsreport 2017 ist die Zahl aufgrund der Fehltage durch Schlafstörungen seit 2005 um 70 Prozent gestiegen. Sieht man sich diese Zahlen an wird deutlich wie dringend Handlungsbedarf besteht.
Doch was sind überhaupt die Ursachen dafür, dass ein Großteil der Arbeitnehmer so schlecht schläft? Und wie lässt sich das Problem lösen?

Die Ursache hängt häufig mit der Arbeit zusammen
Laut Studie der TK „Schlaf gut, Deutschland“ ist die Ursache bei knapp 40 Prozent der Betroffenen Stress im Job. Weitere 28 Prozent sehen private Probleme und 22 Prozent gesundheitliche Beschwerden als Auslöser für die Schlafprobleme. Auch die Dauererreichbarkeit in unserem digitalen Zeitalter führt nachweislich zu Stress und Schlafproblemen. Schichtarbeiter haben besonders häufig damit zu kämpfen: 42 Prozent geben an, dass sie Umstellungs- und Schlafprobleme haben, wenn sich ihr Schichtplan ändert. Eine Nachtschicht kostet 56 Prozent mehr Energie als eine Frühschicht, der Ausgleich findet aber häufig nur finanziell statt. Der Körper bekommt also nicht unbedingt die Zeit zur Regeneration, die er eigentlich bräuchte.

Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter Insomnie
Herrscht ein Unterschied zwischen der inneren Uhr des Körpers und den tatsächlichen Schlafenszeiten, so spricht man von einem sozialen Jetlag. Jeder zehnte Berufstätige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren leidet an Schlafstörungen, der sogenannten Insomnie. Hierunter versteht man alle Ein- und Durchschlafstörungen sowie frühzeitiges Erwachen, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung, so der DAK Gesundheitsreport 2017. Dabei sind 30,1 Prozent der betroffenen Erwerbstätigkeiten männlich, 40,7 Prozent weiblich. Schlafmangel führt zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz und zu einem Rückgang der Produktivität, was sich auf die Wirtschaftsleistung eines Unternehmens niederschlägt. Die Zahlen sind, wie beschrieben, gravierend.

Auswirkungen auf die Gesundheit
Doch hat Schlafmangel nicht nur für Unternehmen und Wirtschaft fatale Folgen, sondern vor allem für die Gesundheit. Im Schlaf erneuern sich die Zellen, der Stoffwechsel reguliert sich, das Immunsystem stärkt sich und das Gehirn verarbeitet Informationen, um neue Erinnerungen bilden zu können. Frühzeitige körperliche und geistige Alterungsprozesse werden durch gesunden Schlaf vermindert. Demnach führt unzureichender oder gestörter Schlaf zu einer frühzeitigen Alterung sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene und es kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Hirnleistung kommen. Zudem steigt das Risiko für Übergewicht, riskantes Suchtverhalten und verschiedene Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen, Herzerkrankungen, Diabetes und Alzheimer-Demenz.

Was können Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter zu einem gesunden Schlaf zu verhelfen?
67 Prozent der Beschäftigten wünschen sich Schlafpausen im Arbeitsalltag (IFBG, 2019). Schlafräume wie in Japan, wo es ganz normal ist, dass man zwischendrin einen Powernap macht, wären eine denkbare Lösung. Nickerchen an sich gelten als gesundheitsfördernd, sollen Stress verringern und die Aufmerksamkeit erhöhen. Die US-amerikanische NASA belegte in einer Studie, dass nach einem kurzen Mittagsschlaf die Aufmerksamkeit um 100 Prozent ansteigt. Das Powernapping ist daher nichts anderes als ein natürliches „Aufputschmittel“, denn der regenerative, zwanzigminütige Kurzschlaf hat nur positive Nebenwirkungen und ist nachweisbar wirksam. Natürlich sollte der Schlaf in der Nacht dann nicht auf Grund des Naps zur Mittagszeit gekürzt werden.
Um der besonderen Belastung von Schichtarbeitern entgegenzukommen, empfehlen sich maximal drei Nachtschichten hintereinander mit Freizeitausgleich als Honorierung anstatt Geldzuschlägen. Auch die Reduzierung der Dauer und Belastung während der Spät- und Nachtschichten ist nötig, um die Umstellung für den Körper und den dafür erhöhten Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Sieht man sich den Stress an, den Handy und Co verursachen (durchschnittlich alle acht Minuten schauen wir auf unser Handy, das sind insgesamt zweieinhalb Stunden am Tag!), ist es auch dringend notwendig hier klare Auszeiten zu schaffen. Digital Detox und Vertretungsregelungen helfen zudem, das Gefühl der ständigen Dauererreichbarkeit zu reduzieren.
Es wird zunehmend also auch Aufgabe der Unternehmen durch gezielte Maßnahmen ihre Mitarbeiter bei der Schlafhygiene zu unterstützen, denn Hauptursache für Schlafstörungen und –mangel hängen nämlich zumeist mit dem Job zusammen. Und im eigenen Interesse geht der Weg an Maßnahmen, die eine gesunde Sleep-Work-Balance fördern, nicht vorbei um langfristig gesunde, konzentrierte und leistungsfähige Mitarbeiter zu beschäftigen.

Mehr zum Thema Sleep-Work-Balance mit dem Fokus auf Chronobiologie erfahren Sie ab der ersten Aprilwoche im nächsten Health Letter!

2019-03-26T09:09:50+00:00Dienstag, 26. März 2019|Kategorien: Blog|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Sophie Schultz 26. März 2019 um 13:59 Uhr

    Ich glaube nicht, dass sich da so schnell was ändern wird. Dafür ist die sogenannte Dauererreichbarkeit zu wichtig. Oder scheint zumindest zu wichtig zu sein, vor allem hier bei uns in Deutschland.

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