Schafft die Digitalisierung Arbeitsplätze ab?

//Schafft die Digitalisierung Arbeitsplätze ab?

Das brandaktuelle Thema wurde auch beim Five-to-Twelve-Talk am Donnerstag, 7. Februar, im Businesstower in Ergolding kontrovers diskutiert.  Einer der Stargäste war Bestsellerautorin und Sozialunternehmerin Sina Trinkwalder, die sich in ihrem Buch „Zukunft ist ein guter Ort“ mit Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung auseinandersetzt. In ihren Augen ist die Digitalisierung die größte Chance der letzten 100 Jahre. Sie sieht in ihr die Möglichkeit einer deutlich effizienteren Ressourcenverteilung auf der einen Seite und eines zielgenaueren und sinnvolleren Einsatzes der Arbeitskraft auf der anderen Seite. Roboter und Algorithmen würden viel für den Menschen übernehmen und dieser müsse nicht mehr, wie in den letzten Jahrhunderten, seine reine Arbeitskraft verkaufen. Doch natürlich stellt sich die Frage: Was macht der Mensch, wenn seine Arbeit durch Roboter ersetzt wird?

Das Hauptproblem: Fehlende Qualifikation
Fehlende Qualifikation ist wohl eines der Hauptprobleme, denn die jetzige und ältere Generationen sind analog aufgewachsen. Die Digitalisierung schreitet allerdings so schnell voran, dass sich hervorragend qualifizierte Menschen in dieser Schnelligkeit nicht neu qualifizieren können. In der repräsentativen Studie „Digitale Transformation 2018“ von der Digitalagentur etventure und der GfK, bei der rund 2.000 Großunternehmen in Deutschland ab 250 Mio. Euro Jahresumsatz telefonisch befragt wurden, hielten nur 38 Prozent der Firmen ihre Belegschaft für ausreichend qualifiziert. Große Investitionen in die digitale Weiterbildung für Mitarbeiter sind also dringend nötig. Und auch die Jobprofile werden sich deutlich ändern: Während Berufe im kaufmännischen und unternehmensbezogenen Bereich ein durchschnittliches Substituierbarkeitspotenzial von 40 Prozent haben, liegt dieses bei medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen bei 0.

Beschäftigungsstruktur verändert sich stark
Die neuen Berufsbilder werden überwiegend an den beiden Extremen der Einkommensskala entstehen: Eine geringe Zahl an überdurchschnittlich gut bezahlten Datenwissenschaftlern, Programmierern oder Start-up-Milliardären steht zahlreichen Logistikarbeitern bei Unternehmen wie Amazon oder Zalando und Uber Fahrern gegenüber. Besser bezahlte Verkäufer im Einzelhandel oder klassische Taxifahrer werden vom Markt verdrängt. in erster Linie profitieren also Hochlohn-Berufe und –Sektoren in Form höherer Beschäftigungs- und Lohnzugewinne von neuen Technologien, während durchschnittlich und niedrig entlohnte Berufe und Sektoren zurückfallen. Investitionen in digitale Technologien könnten so eine steigende Ungleichheit fördern.

Größte Besorgnis unter den Arbeitnehmern
Die Sorge um Arbeitsplätze ist vor allem unter den Beschäftigten weit verbreitet. Bei einer statista-Befragung von 1004 Personen ab 14 Jahren glaubten nur 9 Prozent, dass durch die Digitalisierung mehr Jobs geschaffen werden. Dem gegenüber stehen 58 Prozent, die glauben, dass mehr Jobs verloren gehen. 80 Prozent glauben überdies, dass 2030 ein Großteil der Routine-Aufgaben nicht mehr von Menschen, sondern von Maschinen oder Computerprogrammen übernommen wird. 52 Prozent glauben sogar, dass auch kreative Aufgaben nicht mehr in den Tätigkeitsbereich des Menschen fallen. Schaut man allerdings ein paar Jahrzehnte zurück, als mit dem Einzug der Computer die Sorge der „Dematerialisierung“ wuchs, stellt man fest: Weder Drucker- noch Papierhersteller sind bis heute verschwunden.

Was sagt die Industrie?
Die Industrie ist da anderer Meinung: laut GfK-Befragung erwarten mehr als 80 Prozent der Unternehmen stabile bis positive Arbeitsplatzeffekte. Mehr als jeder vierte Konzern oder große Mittelständler (26 Prozent) erwartet sogar Zuwachs an Arbeitskräften und nur 17 Prozent sehen einen Job-Abbau voraus. Im Laufe des Projekts „Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit“, das mit Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim durchgeführt und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, zeigte sich, dass die Verbreitung digitaler Technologien in der deutschen Betriebspraxis insgesamt für etwas mehr Beschäftigung sorgt. Jüngste Technologie-Investitionen haben die Beschäftigung zwischen den Jahren 2011 und 2016 um etwas 1 Prozent erhöht, was einem Anstieg von 0,2 Prozent pro Jahr entspricht.

Liest man diese Zahlen sieht man vor allem eins: man muss der Digitalisierung nicht mit Panik begegnen, sondern viel wichtiger ist es einen Plan für die Gesellschaft zu haben. Laut Sina Trinkwalder sind hier vor allem die Unternehmen aufgefordert, Wirtschaft wieder mit den Menschen zu machen und nicht durch ihn. Sie ist der Meinung, dass sich das gesellschaftliche Grundsystem ändern muss – weg von der Leistungsgesellschaft hin zu mehr Menschlichkeit. Wir müssen uns fragen, wie wir unsere Gemeinschaft gesellschaftlich neu aufbauen wollen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen und wie wir es finanzieren wollen nicht mehr arbeiten zu müssen.

Die Frage nach der Finanzierung war auch gleichzeitig das Fazit des Five-to-Twelve-Talks. Hier waren sich alle einig, dass wohl kein Weg an einer Digitalsteuer für Unternehmer vorbeiführt.

2019-02-12T08:35:31+00:00Dienstag, 12. Februar 2019|Kategorien: Blog|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Sabine Strauß 13. Februar 2019 um 16:17 Uhr

    Ich frage mich, ob von der Industrie/ Wirtschaft nicht Einiges beschönigt wird…was sollen denn dann die ganzen Menschen machen, die keine IT-Spezialisten sind, sondern einfache Sekretäre, Buchhalter, etc.? Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass Frau Trinkwalder´s Appell zu mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft Gehör findet!

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